> Fliegt Open Source mangels Intuitivität auf die Schnauze? > [http://www.symlink.ch/article.pl?sid=04/04/15/180257&mode=thread] > > Open Source | Veröffentlicht durch XTaran am 2004-04-15 18:23:42 > Aus der intuitiv-vs-effizient Abteilung > Der Inquirer weist uns heute auf einen Artikel bei First Monday und die > InfoWeek auf den Original-Artikel hin: Michelle Levesque, eine Studentin am > Citizen Lab des Munk Centre for International Studies (MCIS) an der > Universität von Toronto (Kanada), ist der Überzeugung, daß > "Open-Source-Software (OSS) kräftig auf die Schnauze fliegen wird, wenn sie > nicht die Kurve kriegt" und sich in Sachen "Benutzerschnittstellen, > Dokumentation, auf Features zentrierte Entwicklung, dem für sich selbst > Programmieren und religiöser Blindheit" (übersetzte Zitate aus dem > Inquirer-Artikel) massiv bessert. (Dank an Momo_102, der die Artikel > entdeckt hat.) > > Sie vermutet, daß das Fehlen von intuitiven Benutzerschnittstellen in OSS > darauf zurückzuführen ist, daß Geeks mehr Wert auf Rechtschaffenheit als auf > Schönheit legen.(1) Was Otto-Normal-Benutzer sieht und wonach er Software > bewertet, sei die Benutzerschnittstelle und wenn die nicht stimmt, wird es > Otto-Normal-Benutzer nicht anfassen und die Software hat verloren, so > Levesque.(2) Und die großen Probleme, die Levesque bei der Dokumentation von > OSS sieht, führt sie auf das Fehlen vertraglicher Verantwortung zurück.(3) > > Weiter prangert sie die Geringschätzung vieler OSS-Programmier gegenüber > proprietärer Software an. Dadurch würden viele Entwickler die guten Seiten > proprietärer Software gar nicht erst entdecken. Es gäbe immer noch viele > Dinge, die Windows-Software besser macht als jedes existierende > Unix-System.(4) Aber statt zuzugeben, daß Windows Unix in manchen Dingen > voraus ist, existiere die Tendenz, genau diese Gebiete zu ignorieren.(5) > > Als Beispiel führt sie den Erfolg von Apples Mac OS X an und schreibt, daß > die Open Source Community sich ein Beispiel daran nehmen sollte(6) und viel > Zeit und Aufwand darin stecken sollte, Apples Arbeit zu klonen(7), statt > darauf zu bestehen, daß GNOME und KDE genauso nützlich sind.(8) > > So leid es mir tut, aber das kann ich so nicht unkommentiert stehen lassen: > > (1) Zwei Dinge dazu: A) Wenn sie Rechtschaffenheit nicht als erstrebenswert > hält, dafür aber Schönheit, dann gefällt ihr sicher auch Software, die > ihre persönlichen Daten ausspioniert und Dateien löscht, Hauptsache, die > Benutzerschnittstelle stimmt. Also lieber schöne, aber kriminelle > Software? B) Sie übersieht IMHO, daß intuitive Benutzerschnittstellen > nicht unbedingt immer die effizientesten sind und manchmal einfach > letztere von der Zielgruppe erwünscht sind. > (2) Das mag bei vielen Arten von Programmen zutreffen, aber nicht bei allen > und insbesondere nicht bei Programmen, zu denen es keine Alternativen > gibt. Und wenn es sie doch gibt, dann kommen sie häufig aus der > Open-Source-Welt. > (3) Ich werde das Gefühl nicht los, die gute Frau übersieht, wie OSS in > 99,9% der Fälle entsteht: aus Eigenbedarf. Wenn es bereits beim > Publizieren vom für den Eigenbedarf geschriebener Software eine > vertragliche Verpflichtung zu Haftung oder Dokumentation gibt, würde > kaum einer auf diesem Weg entstandene Software publizieren und es gäbe > gar keine OSS. > (4) Seit wann ist Open-Source-Software Unix-Software. Und seit wann ist Unix > Open Source? Von ReactOS oder AtheOS oder Syllable hat die Dame > vermutlich noch nichts gehört. Von GNUWin vermutlich auch nicht. > (5) Fällt jemand etwas anderes außer Intuivität von Benutzerstellen ein, was > sie damit gemeint haben könnte? > (6) Ein Beispiel nehmen an Software, die auf Open Source Software aufbaut? > Hmmm, also irgendwie klingt das leicht schizophren. > (7) Klonen würde Apple sicher nicht gefallen. Oder seit wann ist Klonen von > proprietärer Software als OSS ohne Probleme möglich? Es als Quelle für > Ideen zu nehmen, ist natürlich was anderes. > (8) D.h. sie erwartet von der OSS Community, daß sie zwei der größten > OSS-Projekte im Bereich GUI einfach stehen und liegen läßt und nochmal > ganz von vorne anfängt, nur weil sie nicht intuitiv genug sind? Wirkt auf > mich irgendwie etwas unrealistisch, der Gedanke... > > Trotzdem: Ganz unrecht hat sie sicher nicht, wenn man als Ziel die > Popularität und Verbreitung von OSS im Massenmarkt hat. Ich frage mich bei > dieser Diskussion nur schon länger: Ist das wirklich das Ziel? Braucht OSS > diese Popularität überhaupt? Auf zur fröhlichen Diskussion! > > Nachtrag: Auch mr.survearchive hat die Story entdeckt — und zwar bei > Heise, die sich aber wieder mal zu fein waren, irgendwelche Quellen zu > verlinken — und sowohl als Kommentar als auch als Submission > eingesendet, aber da war der Symlink-Artikel leider schon größtenteils > geschrieben. ###### Und leider hat sie nur zusehr recht [http://www.symlink.ch/comments.pl?sid=04/04/15/180257&cid=15] (Score:2, Tiefsinnig) von dino (neil@franklin.ch.remove) am Fri 16. April, 12:46 MET (User #32 Info) http://neil.franklin.ch/ > dann gefällt ihr sicher auch Software, die ihre persönlichen Daten ausspioniert Wie die meisten Leute, tut das sie vermutlich gar nicht gross interessieren. Weil es den meisten Leuten egal ist, so sehr das verpolitisierte Privacy Fanatiker erstaunt. Die meisten Leute wollen einfach ihr Leben machen. Und da aergert Zeugs das einem in den Weg kommt massiv mehr, als Zeugs das vielleicht, irgendwan mal, theoretisch, usw, ... schaedlich sein koennte. > Was Otto-Normal-Benutzer sieht und wonach er Software bewertet, sei die > Benutzerschnittstelle ... hauptsache, die Benutzerschnittstelle stimmt Und das *ist* fuer Normalos die Hauptsache. Weil das ist entscheidend, ob er etwas zum tun bekommt und es ihm somit hilft, oder nicht tut und ihm in den Weg kommt. Das Interface ist die Sache. Das was wahrgenommen wird existiert. Der ganze Rest sind nur spekulativ vorhandene Interna die das Interface am Leben erhalten. Genauso uninteressant wie die Innereien einer Waschmaschine. Und nervend wenn sie einem beissen und verlangen behandelt (wie denn bloss?, hilfe! Panik) zu werden. > insbesondere nicht bei Programmen, zu denen es keine Alternativen gibt Es gibt immer eine alternative (zu OSS): Beim Kommerz bleiben. Und selbst zu Kommerz gibt es immer eine Alternative: gar kein Program/Computer benutzen. Mag Problematisch sein, aber es ist als evaluierbare Alternative da. > Ich werde das Gefühl nicht los, die gute Frau übersieht, wie OSS in 99,9% > der Fälle entsteht: Aus Eigenbedarf Da uebersiehst du einiges: Z.B. das es 100'000e von OSS Anhaenger und Evangelisten gibt, die OSS als die beste Loesung (ohne Einschraenkung auf "fuer Geeks") predigen. Und das ihr ganzer Text sich an die Leute richtet (/if the Open Source community wishes to ... have their tools used by the general public/). > Seit wann ist Open-Source-Software Unix-Software Das ist fuer >90% aller Leute schlicht eine Tatsache. OSS = Linux&Zugemuese. Weil sie noch nie von anderem OSS gehoert haben, weder von Unix (generisch) oder BSD (als Konkurrent) haben sie was gehoert. Falls dir das nicht passt: du bist der Wissende der weiss das es Wissen zum verbreiten hat. > Fällt jemand etwas anderes außer Intuivität von Benutzerstellen ein, was sie > damit gemeint haben könnte? Muss einem auch nicht. Der Text betrifft User Interface, und somit muss auch nichts anderes betroffen sein. Wobei Interface einiges mehr ist als nur die GUI. Es umfasst alles was der User vom System wahrnimmt, bei Install, Config, Arbeiten dran. Und ja, so Sachen wie die MD5 Summen ist genau so ein Fall: Etwas das keinen User interessiert, ausser er waer Sicherheits Fanatiker (und damit ein Geek, der das auch selber finden kann, ohne das es so prominent stehen muss und User verwirrt). > Als Beispiel führt sie den Erfolg von Apples Mac OS X an ... Ein Beispiel > nehmen an Software, die auf Open Source Software aufbaut? Hmmm, also > irgendwie klingt das leicht schizophren. MacOS X Interface (das entscheidende) = die GUI = Quarz und Aqua. Und das ist nicht OSS. Das irgendwo dahinter ein Teil der uninteressanten Mechanik OSS ist, ist egal vom User Standpunkt. Die entscheidenden Teile sind closed source von Apple. > daß sie zwei der größten OSS-Projekte im Bereich GUI einfach stehen und > liegen läßt und nochmal ganz von vorne anfängt Noe, sie erwartet das man den Ist-Zustand dieser Projekte als defizitaer erkennt. Ob man dann dies durch verbessere Versionen oder neue Projekte ersetzt ist egal. Die beiden Varianten unterscheiden sich ja nur in den (irrelevanten) internen Mechanismen. > Ganz unrecht hat sie sicher nicht, wenn man als Ziel die Popularität und > Verbreitung von OSS im Massenmarkt hat Und genau die Leute, die dieses Ziel haben, ist sie ja am ansprechen/kritisieren. "Wenn ihr das erreichen wollt, dann habt ihr hier ein grosses Problem zum aufarbeiten" ist der Tenor. > Ist das wirklich das Ziel? Vielleicht nicht deins. Aber sicher das von 100'000en anderen. Und ja, das muessen nicht die Coder sein. Ob sie auch solche umfassen, wird sich daran zeigen, ob die Situatino bessert.