Was in ein Hacker? (Auschnitt aus einer Mail Antwort) Author Neil Franklin, letzte Aenderung 2004.04.18 > > Neil Franklin, neil@franklin.ch.remove http://neil.franklin.ch/ > > Hacker, Unix Guru, El Eng HTL/BSc, Programmer, Archer, Blacksmith > > Wie? Ein Hacker? *braueheb* Also diesbezüglich werd ich jetzt aber > neugierig. Hat so einen negativen Unterton, dieser Begriff. :-) Aha, da hast du das weit verbreitete Problem, das unsere ach-so-gute Presse lieber Spektakel verkauft als Leute informiert, und dich in die Irre geschickt hat. Hacker ist eigentlich ein relativ alter Begriff, so um 1960 entstanden, also als es noch gar keine Rechnernetzwerke gab. Damals bedeutete es jemand, der sich mit technischem Zeugs beschaeftigt, weil das als Beschaeftigung/Lernen fuer sich schon Spass macht (und nicht weil er es muss fuer die Arbeit/Studium), vor allem aber jemand der weil es Spass macht sich sehr intensiv damit beschaeftigt, und es dann sehr virtuos beherrscht (weil er viele Details kennt). Ganz urspruenglich war das auf Elektromechanik bezogen (die ersten Hacker waren ein Verein am MIT, der an Modelleisenbahn Steuerungen bastelte), dann auf Computer uebertragen (als der Verein einen Computerraum entdeckte, in den sie rein durften), und heute generell fuer alle handwerklichen oder wissenschaftlichen Disziplinen benutzt, fuer Leute die den passenden Denk/Arbeitsstil haben. Ein gewisser Teil der Hacker beschaeftigte sich dann auch mit der Funktionsweise von Sicherheitssystemen und Telephonsystemen, weil das ja auch interessante komplizierte Dinge, sind die man verstehen lernen kann. Auch mechanische Schloesser hacken hat da lange Tradition. Die duerften sogar der Anfang gewesen sein, um an Werkzeug heranzukommen, z.B. um des Nachts kaputt gegangenen Computer zu flicken, nachdem das offizielle Servicepersonal laengst nach Hause gegangen ist. 1960er Rechner waren ja *sehr* unzuverlaessig, und konnten oft mit einfachem Werkzeug/Ersatzteilen die man eh an Lager hatte (geht ja oft kaputt) wieder instand gesetzt werden. Und Hacker hatten genug Wissen wie die funktionieren, um das auch selber zu flicken, statt die heute geplanten Versuche aufzugeben, bis morgen repariert wird. Ein *kleiner* Teil (so 1-3% schaetze ich) missbraucht das was sie dabei gelernt haben, um auch anderswo einzubrechen, aus Spass am Einbrechen (frueher zumeist), oder um Minderwertigkeitskomplexe zu beruhigen (so "ich kann das, also bin ich gut" maessig, heute die Mehrheit), oder viel seltener (wiederum nur 1-3% von den 1-3%) zum ausspionieren oder gar manipulieren. Die Meinung der Grossteil von Hackern ueber diese Minderheit ist ueberigens der Art: "wenn denen an einem Computer nichts interessanteres als Einbrechen einfaellt, dann muessen das Idioten sein". Man nennt die auch abschaetzig "Kiddies", im Wortsinne von "Kleinkindern" verwendet fuer "unreif". Leider interessiert sich die Presse nur fuer diese Missbraeuche, vor allem fuer die noch selteneren Spione und Manipulatoren. Dito auch Holywood Filme. Ist als Berichterstattung etwa genauso einseitig wie die Presseartikel vor 5 Jahren die das ganze Internet als Porno darstellten, oder die Artikel die alle Heiden und Hexen als Teufelsanbeter darstellen, oder die Artikel die alle Hobbyschuetzen als verkappte Moerder hinstellen, oder die Artikel die alle Moslems als Terroristen anschauen, usw.